Öffentlichkeitsbereich
Besuchsbericht des Vereins "Einfach Menschlich e.V."
16.6.2011 Gut Gamig
Dem freundlichen Verständnis der Leiterin der Einrichtung, Nervenärztin Renate Frühauf war es zu danken, dass einige
Vereinsmitglieder ein weiteres Mal Gelegenheit erhielten, den Komplex *Gut Gamig* näher kennen zu lernen.

Bei herrlichem Frühsommerwetter durften wir nicht nur auf, sondern auch hinter die Fassaden
blicken. Manch architektonisches Detail fesselt den Blick des Betrachters, aber
auch das Geschehen in den einzelnen Objekten ist faszinierend.

In der Schneiderei und Weberei konnten wir den Rehabilitanden bei ihrer Arbeit
über die Schulter blicken – und es war schon beeindruckend, wie die später zum
Verkauf angebotenen Produkte unter sachkundiger Anleitung Gestalt annehmen.

Der lichtdurchflutete Bau der Restaurierungswerkstatt
passt sich trotz seiner modernen Architektur gut in die vorhandene Bebauung
ein. Überhaupt fällt auf, mit wie viel Geschick und Behutsamkeit
Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten an der überwiegend sehr alten
Bausubstanz vorgenommen werden.

Hier werden in akribischer handwerklicher Arbeit alte Möbelstücke nicht nur
aufpoliert, nostalgische Stühle repariert und aufgearbeitet – wenn man die
fertigen Teile sieht, wundert es nicht, dass die Nachfrage nach solchen
Leistungen immens ist und demzufolge Wartezeiten akzeptiert werden müssen.

Im alten Schloss, das majestätisch den Gutsbereich dominiert,
findet sich u.a. auch die Töpferei. Die hier geschaffenen Produkte sind
teilweise Auftragswerke, teilweise können sie auch im Hofladen käuflich
erworben werden.

Das Schlosscafé mit der sandsteingefassten Terrasse und dem angrenzenden Garten
lädt zum Verweilen ein. Es hat schon einen mediterranen Hauch, wenn man
inmitten von großen Kakteen, Palmen und den Kletterpflanzen auf barocke
Sandsteinstatuen und die Freitreppe blickt.

Aber auch im Inneren gibt es nicht nur Einiges zum Sattessen, sondern auch viel zum
Sattsehen. Bleiglasfenster beispielsweise, und kunstvollen Stuck und Kamine und und und …

Auch die sozialtherapeuthische Wohnstätte ergänzt das
ursprüngliche Bauensemble des Gutes und bietet Platz für 25 Bewohner. Da der
Bedarf jedoch weitaus höher liegt, wäre eine Erweiterung dringend
wünschenswert.

Auf den beeindruckend großen angrenzenden Flächen wird ökologische Landwirtschaft
betrieben. Ziegen, Schafen, Hühner, Gänse und andere Kleintiere geniessen ihre artgerechte
Haltung.

Ackerflächen und Obstwiesen verlangen viel Arbeit und Engagement von den hier tätigen
Mitarbeitern wie Rehabilitanden – und auch für diesen Bereich gilt: die
Nachfrage nach diesen Produkten übersteigt das Machbare deutlich!

Die Kapelle auf einem kleinen Hügel vor dem Eingang in den Gutshof soll einmal ein
Schmuckstück werden. Schon jetzt lässt sich das erahnen!

Die Zeit verging wie im Flug, und am Ende des mehrstündigen Aufenthaltes blieb vor
allem Hochachtung für die nur erahnbaren Leistungen der hier seit zwei
Jahrzehnten engagiert Handelnden. Ein besonderes Dankeschön gilt auch den
bereitwilligen und freundlichen Mitarbeitern des Gutes, die uns einen tieferen
Einblick in die einzelnen Mosaiksteinchen des Gesamtgebildes *Gut Gamig*
gewährten.

Wie wünschenswert wäre es doch, könnte man dieses Konzept auch anderweitig umsetzen
– in den heutigen Zeiten ein nahezu utopisch anmutendes Unterfangen. Aber heißt
es nicht auch *Nichts ist unmöglich!* ?
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